Zettel

Nummer 1 zu Es gibt ja schon alles

von Michael Ganslmeier

 

In der 11. Klasse habe ich diesen Satz das erste Mal gehört und er hat mich nachdenklich gemacht. Gerade zu dieser Zeit probierte ich mich selbst an einer Idee aus und musste mir von meiner Familie, von Freunden und Bekannten immer wieder diesen einen Satz anhören. Damals hatte ich dem nicht wirklich etwas entgegenzusetzen, denn tatsächlich, so eine Idee wie die meine gab es ja wirklich schon umgesetzt in ähnlicher Form. Sichtlich deprimiert trug ich deshalb meinem Traum vom Game-Changer zu Grabe, da ich einsehen musste, dass es wirklich nichts neues unter der Sonne gibt (vgl. Bibel). Ob jemanden den Gedanken schon einmal in einem kleinen, dunklen Keller in China gehabt hat, ein Artikel über eine neue, innovative Dienstleistung bereits die letzte New York Times schmückte oder doch schon ein Unternehmen mit einer Idee einen erfolgreichen IPO hingelegt hat – die Einsicht war klar: ich werde keinen so riskanten Gedanken haben, der die Welt verändern wird. Ich werde immer mindestens eine Sekunde hinter mindestens einem von über 7 Milliarden Menschen hinterherhinken. Schade eigentlich.
Doch von Zeit zu Zeit begann es in mir zu brodeln und es kam mir die Frage, warum haben wir so riesige Problem beziehungsweise stehen vor so großen, unlösbaren Aufgaben, wenn wir doch schon für jedes Problem eine Lösung haben? Nur um ein paar Beispiele zu inennen:
Aus dem Factory-Bereich: Wie kann es sein, dass wir bereits in den 60er Jahren das erste Mal einen funktionsfähigen 3D-Druck entwickelt haben, dieser aber weder in der Industrie noch im Consumer-Bereich Anwendung findet? Sie sagen Stimmt nicht? Warum haben Sie dann noch keinen bei sich zu Hause, da es doch bei Weitem kostengünstiger und flexibler wäre?
Aus dem sozialen Bereich: Warum gibt es keine Organsation in Deutschland, die eine flächenübergreifende Lösung für die Flüchtlingsthematik anbietet, inklusive Integrationsmodellen, Arbeitsvermittlungen für Asylsuchende, etc.? Sie sagen Stimmt nicht! Der Staat macht das? Warum haben wir dann immer noch das Integrationsproblem? Von den staatlichen Ineffizienzen ganz zu schweigen…
Aus dem Consumer-Bereich: Warum gibt es eigentlich keine schönen Schalosien, die neben Einbruchssicherheit auch etwas für’s Auge sind? Sie sagen Stimmt nicht! Im Internet kann man sich die selbst designen? Warum macht es dann keiner?
Aus dem Kinderspielsachen-Bereich: Warum hat eigentlich kein Holzfarbstifteset einen Spitzer mit an Bord, welche das ein oder andere Familiendrama in der Vergangenheit in Millionen von Haushalten höchstwahrscheinlich verhindert hätte? Sie sagen Stimmt nicht? Warum kauft es dann keiner, obwohl es schlichtweg sinnvoller ist?
Aus dem Verwaltungs-Bereich: Wir leben in einer vernetzten Gesellschaft und einem vernetzten Staatsapparat, kriegen es aber nicht hin, dass der Bürger keine IT-Benutzeroberfläche hat, wo er zum Beispiel Steuererklärung, BaFög-Antrag oder Ummeldung eintragen kann. Warum? Sie sagen Geht nicht. Die Zuständigkeit der einzelnen Ebenen erlauben dies rechtlich nicht? Meine Frage an Sie: Warum nicht, wenn es doch für jeden Bürger besser, schneller, günstiger, etc. wäre?
Um es auf den Punkt zu bringen: Probleme über Probleme. Oder lassen Sie es mich anders formulieren: Herausforderungen über Herausforderungen. Und der Satz Das gibt es ja schon sollten wir, wenn wir diesen Herausforderungen nicht ignorant gegenübertreten wollen, gänzlich aus unseren Köpfen streichen. Denn wie sagt es Lester Brown so schön: Wenn Sie Herausforderungen mögen, gibt es keine besser Zeit zu leben als jetzt. Also packen wir’s an!

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