Archive for August, 2015

Verstörte Steuerung? Erste Gedanken zur aktuellen Situation der Zeppelin Universität.

Es gibt sie noch, Orte der Störung. Ein solcher ist die Zeppelin Universität in Friedrichshafen am Bodensee. Hier treffen Menschen auf-einander, die sich an-einander auf-halten, die sich – durch wechselseitige Irritation – ver-stehen. In diesem Sinne ist die kleine Universität ganz im Süden Deutschlands ein Ort unwahrscheinlicher Berührung – untereinander und mit einer Welt, die dann womöglich doch viel weniger des Aus-der-Ruhe-Bringens bedarf, als welchem sich dieser Ort verbunden fühlt.

An der Zeppelin Universität werden Begegnungen zwischen Menschen möglich, die primär in dem Sinne zueinander passen, als dass sie an- und durch-einander wachsen – am konstant präsenten Hinein-Reden, Ein-Greifen. Solche Prozesse sind es, die diesen Ort auszeichnen als einen, der in der Lage ist, Störenden Raum zu geben.

Und gleichzeitig gibt es an dieser Universität die grundsätzlich Nicht-Störungswilligen, die diesen Ort jedoch umso mehr durch die von ihm ausgehende Unruhestiftung schätzen und nicht nur, aber insbesondere auch aufgrund ihrer Störungwillenlosigkeit, die Unruhestifter aus der Balance bringen. Wie dankbar doch beide Seiten dafür sein dürfen.

Dieser Ort der kognitiven Dissonanz ermutigt zur Orientierung und raubt sie in mindestens gleichem Maße. Es charakterisiert ihn, dass Studierende von Semester zu Semester ihrer Zeit orientierungsloser werden und zugleich in ihnen etwas reift, dass Haltung fördert – und wenn es die Ablehnung dieses Ortes ist, der in fort-geschrittenen Semestern immer öfter begegnet wird. Hierfür Dankbarkeit, ist sie doch Ergebnis einer wünschenswerten Auseinander-Setzung.

Mit eine steuernden, mehrdimensional Störung vermeidenden Führung ist diese Universität der Unruhe einer Herausforderung ausgesetzt, die jedoch diesmal existentiell und für diesen Ort des Berührens zerstörend werden kann:

Sparen ist sinnvoll, wenn bewusst ist wofür. Handeln ist sinnvoll, wenn bewusst ist, wonach. Und Führen ist sinnvoll, wenn bewusst ist, wohin.

Vielleicht können die Studierenden dankbar sein, beispielsweise für eine neue Mission. Vielleicht können sie genau dann dankbar sein, wenn die Störenden ihre Verstörtheit überwinden und eine steuernde Führung aus der Fassung bringen. Es ist Zeit, eine mögliche Negation einzelner Elemente im System durch das System oder durch seine Umwelt so vorwegzunehmen, dass ihr produktiv begegnet werden kann (Baecker).

Eine studentische Störung leistet einen entscheidenden Beitrag, den aus der Steuerung resultierenden Zerfall dieser Organisation zu vermeiden. Aber wer weiß, womöglich ist diese Steuerung ja sogar auch eine Form wünschenswerter Störung.