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Veränderung des Fokus: Die Prinzipien hinter Wachstum verstehen

Mein Beitrag zu #debategrowth des 46. St. Gallen Symposiums:

Understanding the Core Mechanisms Behind Growth: A Shift in Emphasis

In debating growth, we usually focus on its desirability – and neglect to discuss the underlying core mechanisms. The origins of growth should factor into these discussions in order to achieve a deeper understanding of the subject…

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Send them back! – Sure?

As I look ahead, I am filled with foreboding. Like the Roman, I seem to see the River Tiber foaming with much blood … Only resolute and urgent action will avert it even now. 
                                                                                                aus Enoch Powell, Rivers of Blood Speech
 
 
Von einem Tabu

Enoch Powells Rede stammt aus dem Jahre 1968. Obwohl Powells fremdenfeindliche Äußerungen damals kontrovers diskutiert wurden, stimmten nahezu drei Viertel der britischen Bevölkerung den erschreckenden Aussagen des ursprünglich der Conservative Party angehörigen Politikers zu. Seit dieser Rede habe es keine grundlegende Debatte mehr über Immigration gegeben, behauptet Paul Collier heute. Es existiere ein Tabu. Weshalb? Da beispielsweise unter liberalen Intellektuellen distaste and disdain for opponents of immigration … differentiating tests of identity geworden seien. Und er bemerkt: Policy has been fought over using competing values rather than competing evidence.

Collier, pragmatischer Realist und selbst Nachfahre deutscher Immigranten, möchte Migration nicht ausgehend moralischer, sondern viel mehr ökonomischer sowie sozialer Argumentation analysieren. Sein Ziel ist es einen Diskurs in Gang zu bringen, indem er den Fokus auf Kulturen und deren Diversität als anstelle auf races legt. In seinem Buch Exodus versucht er deshalb einen neuen Rahmen zu schaffen, wie sich über Migration denken lässt. Die Frage Is migration good or bad? sei irrelevant, so der unter anderem in Harvard forschende und lehrende Professor; es gehe um die Frage How much migration is best?

Drei Perspektiven

Um sich dieser Frage zu widmen trifft Collier entscheidende Grundannahmen. Er geht davon aus, dass 40 Prozent der Bevölkerung ärmerer Nationen in die reicheren Länder immigrieren würden – wären sie dazu in der Lage. Für Collier liegt Migration überdies ein sich selbst beschleunigender Mechanismus zugrunde, der auf der Existenz von Diaspora-Zuständen beruhe. Der Professor schlägt nun vor, drei Perspektiven für die Beantwortung der Frage How much migration is best? einzunehmen: die der individuellen Immigranten, die des Heimatlands und die des Immigrationslands.

Welche Implikationen liegen nun laut ihm auf Seiten der Immigrationsländer? Zum einen sinke das wechselseitige Vertrauen in den betroffenen Ländern und zum anderen komme der Wohlfahrtsstaat in Schwierigkeiten. Auslösend hierfür sei ein zu hoher Grad an kultureller Diversität, welcher insbesondere Kooperation und somit folglich die Bereitstellung öffentlicher Leistungen sowie soziale Konventionen einschrenke. Laut Collier beruhe gesellschaftliche Kooperation nämlich unter anderem auf dem Nationalbewusstsein: Nations are important and legitimate moral units; indeed the fruits of successful nationhood are what attract immigrants.

Der unbewaffnete Policeman

Collier illustriert seine Überlegungen am Beispiel der britischen Polizei. Diese komme in Teilen grundsätzlich unbewaffnet aus, was dazu führe, dass eine soziale Konvention unter Kriminellen entstanden sei: Stehen diese der Polizei gegenüber, sollten sie ebenso keine Waffen bei sich tragen. Es lässt sich folglich ein kollektives Verhalten unter Kriminellen ausmachen, obwohl das Tragen einer Waffe für den Einzelnen von Vorteil wäre.

Jedoch sei der unbewaffnete Policeman in Gefahr! Denn obwohl nun beispielsweise Jamaikaner nicht aufgrund Ihrer Gene zu Gewalt neigen würden, täten Sie das womöglich jedoch kulturell. Indem nun eine ausreichend große Anzahl an Jamaikanern in Großbritannien lebe (eine Diaspora, the accumulated stock of unabsorbed migrants), führe dies dazu, dass keine kulturelle Absorbierung mehr stattfinde. Das entstandene eigene kulturelle Netzwerk verhindere eine solche, deren Ausbleiben nun für die britische Polizei tiefgreifende Folgen habe.

Colliers Empfehlungen

Ausgehend seiner Betrachtungen leitet Collier Handlungsanweisungen ab. Als Hauptaufgabe der Politik sieht er die Identifikation einer optimalen Immigrationsrate an. Hilfreich sei diesbezüglich, insbesondere die kulturelle Absorptionsrate zu bestimmen sowie unter anderem die Effekte auf das Heimatland der Immigranten zu beachten. Migration müsse gerechter gestaltet werden! Beispielsweise sei es nicht verantwortbar, dass lediglich die im Heimatland Reichen nach Europa kämen sowie unsere Immigrationspolitik beispielsweise dazu führe, dass es mehr sudanesische Ärzte in London als im Sudan gebe.

Ein konkreter Ratschlag lautet darüber hinaus, illegal Einwandernde sofort zurückzuschicken – Send them back! Die betroffenen Länder hätten ein Recht darauf. Gleichzeitig verhindere diese Taktik laut Collier die Fortsetzung des Desasters im Mittelmeer, in welchem mittlerweile bereits über 17.000 Menschen auf der Flucht ertrunken sind.

Wait a second, sure?

Colliers Herangehensweise wirkt auf den ersten Blick hilfreich; allerdings vernachlässigt er wesentliche Punkte. Angenommen, Diaspora-Zustände würden tatsächlich Gesellschaften auseinanderreißen, lässt sich ganz unabhängig ob dies zutrifft oder nicht entgegnen, dass  eben solche Zustände die partnerschaftlichen Bindungen zwischen unterschiedlichen (!) Gesellschaften stärken können. Gerade in Anbetracht der Herausforderungen des 21. Jahrhundert würde somit ein wichtiger Beitrag geleistet, wie Paul Crider unter Bezug auf Robert Guest analysiert. Ergänzend beschreibt Crider die incentives to fit in with the host society als extremely powerful.

Darüber hinaus schenkt Collier der Bedeutung von gesellschaftlichen Klassen zu wenig Beachtung und vermischt bei seinen Anführungen von Studien solche zu genetischen Auswirkungen mit seinen Schlussfolgerungen über kulturelle Differenzen. Ebenso lassen sich seine Bedenken gegenüber zukünftigen Entwicklungen nicht historisch fundiert belegen, insbesondere wenn die Erfolgsgeschichten der USA oder Städten wie London herangezogen werden.

Das gravierendste Problem stellt jedoch sein Bestreben dar, Immigrationsraten senken zu wollen. Michael Clemens nimmt Colliers Argumentation in seiner Rezension auseinander, indem er beispielsweise belegt, dass opening up labor markets … the lives of natives as well as those of immigrants verbessert sowie in Anbetracht sozialer Konsequenzen erklärt, dass crime significantly lower in neighborhoods in the UK with the largest immigrant inflows ist. Bereits in einem seiner Paper konnte Clemens das ökonomische Potential von free migration eindeutig zeigen: Das globale BIP würde sich verdoppeln.

No!

Es wird klar, dass Colliers Aufforderung Send them back! nicht gefolgt werden sollte. Im Speziellen dann nicht, wenn wir die aus unserem Selbstverständnis resultierende moralische Argumentation hinzunehmen.

Collier schreibt selbst: Economics [and economists] should not be a very important criterion for determining immigration policy.

Insbesondere nicht Collier! Damit immerhin liegt er richtig.

Vom Antonym für Fragilität

Die Welt, wie wir sie kennen, kennen wir nicht – präziser: nicht mehr. Gewiss ist bloß, dass nichts sicher ist. Gerade dies zeichnet unsere hyperkomplexen Sphären aus. Die Welt ist nicht mehr umfänglich einschätzbar, greifbar – Risiko nicht bestimmbar. Mit diesen Phänomenen beschäftigt sich Nassim Nicholas Taleb. Der Autor des Schwarzen Schwans, in welchem Taleb den ungeheuren Einfluss von Unvorhergesehenem auf unsere Welt und wie wir diesen konsequent unterschätzen zu veranschaulichen versucht, liefert nun eine herausragend spannende Analyse unserer Zivilisation.

Taleb bemerkt, bisher gebe es noch kein Antonym zum Begriff Fragilität. Fragil sei etwas dann, wenn es unter Turbulenzen leide. Als Gegenteil zu fragil könne robust – woran möglicherweise zuerst gedacht würde – deshalb nicht dienen, da es neutral auf Turbulenzen reagiere, also durch diese nicht beeinflusst werde. Es müsse also ein Wort geben, welches veranschauliche, dass etwas von Ungewissheit, Abenteuer und ungeahntem Wandel profitiere: Antifragilität. Das Antifragile steht Zufälligkeit und Ungewissheit positiv gegenüber, und das beinhaltet auch – was entscheidend ist – die Vorliebe für eine bestimmte Art von Irrtümern. Dieses Konzept stellt den Grundstein seiner Überlegungen dar.

Handhabung komplexer Systeme

Als Tragödie der Moderne macht Taleb das wohlgemeinte Streben aus, Stressoren reduzieren zu wollen. Ein solches Vorgehen sei jedoch für komplexe Systeme dramatisch, denn gerade durch die Reduktion von Stressoren sinke die Antifragilität der Systeme. Ähnlich wie neurotisch überfürsorgliche Eltern schaden uns häufig die Personen am meisten, die uns beschützen wollen.

Die Unmöglichkeit Risiken zu kalkulieren beziehungsweise das Eintreten dieser vorherzusagen sei noch nicht im Denken angekommen; daher rühre das Bedürfnis, Ungewissheit entgegenwirken zu wollen. Dass es besonders verhängnisvoll sein kann, zu glauben, Risiken seien einschätzbar, machte Taleb bereits in seinem zuvor erschienenen Buch am Beispiel der Schwäne (angelehnt an Popper) deutlich: Niemand in Europa hätte je in Erwägung gezogen, es könnte Schwäne geben, die nicht weiß sind – die Entdeckung Australiens hingegen zeigte das Gegenteil. Schwarze Schwäne.

Das Antifragile hingegen mache sich Vorhersagefehler zu Nutze; anstatt Fehler zu hassen schätze es sie. Unsere Zivilisation allerdings werde zunehmend blinder für das Geheimnisvolle, das Undurchdringliche und somit insbesondere blinder für das Antifragile. Wollen wir Zukunftsfähigkeit generieren, wird es unausweichlich, das, was unfähig ist Unbeständigkeit zu vertragen, nicht als gegeben hinzunehmen und sich dem Antifragilen zuzuwenden. Zwei Beispiele:

1. Denkstrukturen

fragil: neuzeitlich ___ robust: europäisch-mittelalterlich ___ antifragil: altertümlich-mediterran

2. Zwischenmenschliche Beziehungen

fragil: Freundschaft ___ robust: Verwandtschaft ___ antifragil: Hingezogensein

Klein und groß in schweren Zeiten

Taleb thematisiert in seiner Analyse unserer Welt vielfach das Verhältnis zwischen Größe und Antifragilität. Für ihn beruhe Fragilität  insbesondere auch die eines politischen Systems  auf Nichtlinearität.  Im Widerspruch zu allem, was … gelehrt wird, wirkt Größe sich in Belastungssituationen schädlich aus; es ist nicht gut, in schweren Zeiten groß zu sein. Dem Großen würden Schocks, wenn deren Intensität steige, exponentiell höheren Schaden zufügen als dies bei Kleinem der Fall sei. Talebs Beweis dafür ist mathematischer Natur, welchen er  auf seine Art anschaulich  auch anders ausdrückt: Wenn man eine Katze aus der Höhe eines Mehrfachen ihrer Körpergröße fallen lasse, überlebe sie vermutlich. Bei einem Elefanten hingegen sehe es anders aus.

Interessant wird es im Speziellen bei der Anwendung seiner Erkenntnisse auf sowohl Nationalstaaten als auch die Europäische Union. Auf Facebook schreibt Taleb: Just look around: Singapore, Denmark, Norway, Switzerland, Dubai, compared to their neighbors. Focus on otherwise same ethnicity (Cyprus vs Greece, Lebanon vs Syria). Things are a bit more complex: it is the decision-making unit which would put federations like Germany and the US in the same group). Note that for small state to do well, all we need is a „pax“ of an Empire, „pax Romana“, „pax Ottomana“, etc. Which we have with EU, US, Nato, etc.

Liegt er tatsächlich richtig? Auf eben diese Spurensuche werde ich mich begeben.

Handeln und Denken

Bereits zu Beginn der Rezeption von Talebs Werken, an dem ich derzeit stehe, wird bewusst, welch großartiger Denker am Werk ist. Apropos Denken, womöglich sollten wir unter anderem auch folgender Erkenntnis Talebs Beachtung schenken: Wir sind im Großen und Ganzen besser, wenn wir handeln, als wenn wir denken, und das verdanken wir der Antifragilität.

Taleb begeistert, entgegen erheblicher Kritik. Und beim Lesen entsteht das Gefühl, dass er der doxastischen Verpflichtung, von welcher er schreibt – also der Bereitschaft, für Überzeugungen auch persönliche Risiken einzugehen – ebenso selbst nachkommt. Kompromisse, so Taleb, seien gleichbedeutend mit Billigung.

Fundamentale Fragestellungen. Ein Wunsch.

Beim Besuch der Internetseite von Martin Schulz fällt das Wenigsagende seiner Ziele auf. Als Präsident der EU-Kommission träte er für ein unter anderem Vielfalt respektierendes, wirtschaftlich dynamisches sowie ein Europa, das mehr Demokratie wagt, ein. Glückwunsch. Kein Zweifel, Schulz ist herausragender Politiker, großartig in Art und Ausdruck. Doch reicht das? Perspektivisch – und das versuchte ich bereits vielfach zu zeigen – vollziehen sich derzeit entscheidende Veränderungsprozesse. Um zukunftsfähig zu werden, und das ist der essentielle Aspekt einer Vision, bedarf es des Muts als auch der Kompetenz, sich den fundamentalen, zumeist nur selten infrage gestellten Themen zu widmen. Haben Sie Mut, ist mein Wunsch. Stellen Sie fundamentale Fragen!

Ein Ausflug: das verzinste Geldsystem

Ein nachhaltiges Gesamtsystem wird zunehmend als Ziel politischer Entscheidungsprozesse gesehen. Nachhaltig bedeutet zukunftsfähig, denn Zukunftsfähiges ist letztlich lediglich Nachhaltiges. Parallel zur Auseinandersetzung mit Möglichkeiten zu umfänglicher Nachhaltigkeit wird zügig klar, dass nicht das motorisierte Vehikel, nicht die seit Jahren gelebte Mülltrennung die entscheidenden Stellschrauben darstellen. Die Erkenntnis ist so plausibel, gravierend und verdunkelnd zugleich: Es sind die in unsere Gesellschaft eingewobenen, sich in der tieferen Struktur befindenden Prinzipien, denen es sich zu widmen gilt. Das Zinsprinzip ist eines von ihnen. Zukunftsfähigkeitsverhindernd? Vermutlich wohl:

Hartmut Rosa führt diesbezüglich aus, dass die Umstellung des Wirtschaftens auf die Kapitalverwertungslogik bzw. die Mehrwertproduktion … eine Dynamik in Gang gesetzt hat, welche alle Schranken einer bedarfsdeckenden Wirtschaftsform überwindet. Die Maximen kapitalistischen Handelns seien unter anderem (neben dem Erreichen von Zeitvorsprüngen sowie Arbeitszeit als wichtigstem Produktionsfaktor) durch das Zinsprinzip geprägt, welches auf einer beschleunigten Wiedergewinnung eingesetzten Kapitals beruhe. Die Kapitalverwertungslogik steht folglich in entscheidender Beziehung zum Zinssystem. Zum einen, weil aus eingesetzten Geldern zwingend mehr Geld werden muss und zum anderen das Prinzip je schneller, desto besser gilt, denn je zügiger man dem Kredit nachkommen kann, desto geringer die Kosten beziehungsweise geleisteten Zinsen für diesen. Daraus resultieren ein direkter sowie ein indirekter Zwang zum Wirschaftswachstum. Der direkte Wachstumszwang rührt von der Notwendigkeit einer Rückzahlung mitsamt Zinsen her, der indirekte, nicht unbedingt notwendige (aber die Kreditaufnahme erst sinnvoll werden lassende) Wachstumszwang von dem Ziel, nach dem Kreditgeschäft mehr zu haben als vorher.

Bereits Max Weber warf die Frage auf, warum die Unternehmer durchschnittlich dauernd hoffen dürfen … dass der Eintausch von gegenwärtigen 100 gegen künftige 100 + x rational ist. Der Austausch ist heute nur dann rational, wenn die Vertragspartner in Zukunft ausgehend des eingesetzten Kapitals ein Wachstum y (und damit ebenso eine Beschleunigung) erwarten können, das größer ist als x.

Es bleibt festzuhalten: Beschleunigung und Wirtschaftswachstum – sowie deren Folgen – sind derzeit unausweichliche Bestandteile unsere Gesellschaft. Sind sie nachhaltig?

Solche Fragen

Die aus unserem Wohlstand resultierende Verantwortung lässt uns keine Wahl: Den grundlegenden Fragestellungen muss Beachtung beigemessen werden. Doch wer beschäftigt sich beispielsweise mit den Folgen des verzinsten Geldsystems? Nahezu niemand. Doch es wird Zeit. Die Liste ist lang. Und dafür bedarf es fähiger Politiker wie Schulz, die den Mut aufbringen können, sich auch solchen Themen zu widmen. Es sind die Spannendsten. Ob sich damit eine Wahl gewinnen ließe?

Mit Sicherheit nicht.

ZUfo ’14

Vom 31. Mai bis zum 1. Juni findet an der Zeppelin Universität eine studentische Konferenz für interdisziplinäre Forschung – die ZUfo ’14 – statt. Auf interessierte Besucher warten Vorträge, Workshops und Rahmenprogramm zum Thema Speicher. Und auch ich werde mich an einem kleinen Beitrag zum Zinsprinzip – dessen Ursprung, Implikationen und Alternative – versuchen: Der Zins als Speicherprämie? Eine Analyse der Zukunftsfähigkeit unseres Geldsystems.

Von der beidseitigen Utopie zur wechselseitigen Realität

Die klassische Idee der Identität verwerfen: Unser Selbstverständnis muss darüber definiert sein, was wir transkulturell an Gemeinsamkeiten haben. Wie könnte das möglich werden? Durch Erkennen des Fremden in uns.

Über die Erfordernis von Entgrenzung zur Lösung hypermoderner Probleme und Konstitution durch einen neuen Typus der Identität:

Lesen Sie selbst.

Die Faszination des Anfangs

…Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
                                                              aus Hermann Hesse, Stufen
 

Es ist wohl soweit. Nun spüre ich ihn, den Zauber. Die Wirrungen des Aufbaus als auch der gedanklichen Konzeption sind zwar noch präsent, doch überwiegt mittlerweile der Druck in Kombination mit der Faszination endlich anzufangen.

Den Startschuss macht eine  wie ich finde ausdrucksgewaltige  sich ständig ergänzende Ausstellung. Charakteren aus allen Winkel der Welt werden ein vollständig leeres, weißes Blatt Papier und ein tiefblauer Kugelschreiber ausgehändigt. Ergänzend dazu erhalten sie zwei Themenaspekte: Grenzen und Europa.

Keinerlei Vorgaben. Keinerlei Richtlinien.

Schlicht Raum.

Jedes Resultat findet in der Ausstellung einen Platz. Eine Auswahl wird vermieden. Von systemtheoretischen Ansätzen über Assoziationen zu nörgendelnden Müttern bis hin zu mathematischen Darstellungen  unwahrscheinlich divergierende Arbeiten.

Sehen Sie selbst.